60 Jahre danach (erster Teil)

In mongolischer Tracht ... (Foto: Lotte Eckener)

Weil es gerade 60 Jahre her ist: Im Juni 1951 brauchte Mühlenweg Fotos, mit denen der Herder Verlag seine Lesereisen unterstützen wollte. Der Erfolg seines ersten Romans  –über 50.000 im ersten Halbjahr – schürte das Interesse an diesem neuen Autor. Erste, ein wenig chaotische Erfahrungen hatte er im späten Winter auf Lesungen bereits gesammelt, viel Ärger mit dem Dia-Apparat zum Beispiel. Denn er las nicht einfach aus seinem Buch, er reiste mit Dias seiner Originalfotos aus der Mongolei. Glasdias, im älteren Format wohlgemerkt: 9 x12. Wenn es geht, wird man die massiven Holzkästen bald im Museum sehen – man darf ja die Vorgänger der easy-going-downloads nicht einfach vergessen.

Der Verlag wollte Fotos für einen Prospekt, den er den Veranstaltern zur Verfügung stellen wollte. Für Herder war das einfach und billig, man hatte eine der leistungsstärksten deutschen Druckereien im Haus. Mit dem neuen Werbemedium der Lesereisen experimentierte der starke Verlag offensiv;  im 150. Jahr des Bestehens wollte er sich ein moderneres Image verpassen.

Neben konventionellen Porträts wünschten sich die Strategen in Freiburg etwas Besonderes: Fritz Mühlenweg in mongolischer Tracht. Die hatte er, inklusive einer Pelzmütze, einst mitgebracht, sie ruhte seit 20 Jahren auf dem Estrich seines Allensbacher Hauses.

Nicht ganz zufällig hatte Mühlenweg eine hervorragende Fotografin in seinem Bekanntenkreis, Lotte Eckener. Mit ihr hatte er schon im Januar 1948 im Gründungsausschuss des „Kulturbunds“ zusammen gesessen. (Aufgeschlossene Konservative, Liberale aus künstlerischen Berufen, trafen sich im nahen Konstanz regelmäßig. Der Feuilletonleiter des Südkurier L. E. Reindl sorgte u. a. für stramme Abgrenzung gegen links. Man war frankophil, mit der freundlich gewordenen französischen Besatzungsmacht gut vernetzt, – die Anfänge der Deutsch-Französischen Gesellschaft.)

Lotte Eckener also: Sie führte auch nach der Verheiratung mit dem Konstanzer Zahnarzt Paul Simon ihren Geburtsnamen, mit dem sie schon in Berlin als künstlerische Fotografin bekannt geworden war. Ihr berühmter Vater lebte noch, jener Luftschiff-Pionier Hugo Eckener, der Nachfolger des Grafen Zeppelin geworden war.

Die ersten Bodensee-Bildbände mit ihren stimmungsvollen Fotos hatten Lotte Eckener in der Region am See endlich auch bekannt gemacht. Sogar Verlegerin war sie (Simon und Koch: Seit Dorothea Cremer-Schacht sich um die Geschichte der Bodensee-Fotografie kümmert, wissen wir endlich mehr: http://www.sch-8.de/FAB/Kuenstler_LotteEckener.htm. )

//Und weil das nun zu lang wird: Fortsetzung morgen, mit Rezeptionsgeschichte der Fellmütze.//

 

One comment

  • 1
    18. Juli 2011 - 10:21 am | Permalink

    Ach, Eckener… Ich habe gerade ein neues Jugendbuch gelesen, von Timothée de Fombelle, in dem Herr Eckener mit seinem Zeppelin vorkommt, als Nazigegner, der sich aber auch erpressen und drangsalieren lässt, interessante Stellen, in denen er über den Druck und sein Zurückweichen nachdenkt: “Vango” heißt das Buch (Gerstenberg Verlag), das mir ansonsten ein wenig zu platt ist und am Ende zu konfus wird…

    Herzlicher Gruß
    Giorgione

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